Kaufsucht
Zwischen Schulden und Schuldgefühlen
Einkaufen macht glücklich...oder?
Durch Werbesprüche wie “3,2,1, - meins!” oder “Shop wann Du willst” bieten viele Onlineshops mit nur einem Klick rund um die Uhr die Möglichkeit Dinge zu kaufen, die man mal mehr und mal weniger braucht.
Zudem werden uns durch neue Werbetechniken im Internet wie etwa Social Media Marketing neue Produkte viel zielgerichteter angezeigt, als noch vor einigen Jahren und die Verlockungen des Konsums finden sich an jeder Ecke.
Daher ist es wichtig, diese Strategien zu verstehen und sein eigenes Einkaufsverhalten stets aufs Neue zu prüfen.
Welches Einkaufsverhalten ist noch „normal“?
Ab wann spricht man von Kaufsucht und wie kann man erkennen, ob man selbst kaufsüchtig ist? Wir beraten Sie gerne zu diesen Fragen!
Was ist Kaufsucht?
Für Kaufsucht gibt es verschiedene Bezeichnungen wie pathologisches Kaufen, exzessives Kaufen oder zwanghaftes bzw. kompulsives Kaufen.
Ist jemand kaufsüchtig, kann er oder sie nicht mehr aufhören zu kaufen. Betroffene erleben beim Kaufen einen extremen Zwang, so dass sie ihr Verhalten nicht mehr kontrollieren können.
Das hat aber wenig mit dem persönlichen Bedarf oder bestimmten Eigenschaften eines Produkts bzw. einer Dienstleistung zu tun. Vielmehr dient das Kaufen dazu, unangenehme Gefühle zu beseitigen.
Im Mittelpunkt stehen nicht die gekauften Gegenstände, sondern der Akt des Kaufens.
Ob ein pathologisches Kaufverhalten wirklich zu den Suchterkrankungen zählt oder anderen Charakter hat, ist noch nicht abschließend geklärt.
Wie erkennt man Kaufsucht?
Kaufsucht äußert sich in einer Reihe von Merkmalen, die von Mensch zu Mensch verschieden und unterschiedlich stark ausgeprägt sind.
Ob jemand kaufsüchtig ist, lässt sich anhand von bestimmten Verhaltensauffälligkeiten sowie psychischen und physischen Symptomen erkennen. Je mehr davon bei einer Person feststellbar sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person von Kaufsucht betroffen ist.
Die wichtigsten Merkmale von Kaufsucht sind:
Gedankeneinengung
Die Gedanken drehen sich nur noch ums Kaufen. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit sind eingeschränkt.
"Craving" - Kaufdrang
Ein unwiderstehliches Verlangen ständig zu kaufen.
Kontrollverlust
Es wird immer öfters mehr und länger gekauft als geplant.
Belohnungssystem wird aktiviert
Während des Kaufvorgangs wird eine Art Glücksrausch ausgelöst, der jedoch nicht lange anhält.
Verheimlichung und Scham
Einkäufe werden vor anderen, besonders engen Bezugspersonen, geheim gehalten aufgrund von starken Scham- und Schuldgefühlen nach dem Kaufrausch.
Ablenkung
Das ständige Kaufen verschafft Ablenkung und Erleichterung von unangenehmen Gefühlen und Spannungen.
Horten von Waren
Die meisten eingekauften Waren werden kaum oder nicht genutzt. Viele Einkäufe werden zum Teil gar nicht erst ausgepackt. Zu Hause sammeln sich mit der Zeit haufenweise Pakete und Einkaufstüten.
Häufige Folgen der Kaufsucht sind finanzielle Schwierigkeiten auf der einen Seite, andererseits aber auch Konflikte mit dem Partner/der Partnerin bzw. der Familie - etwa weil man Geld ausgegeben hat, das eigentlich für etwas anderes vorgesehen war oder weil man sich über Ratenzahlungen und sonstige Kredite verschuldet hat.
Wichtig: Nicht alle Warnzeichen bzw. Merkmale müssen bei jedem auftreten. Außerdem gibt es keinen festgelegten Punkt, an dem das individuelle Kaufverhalten problematisch wird. Das ist spätestens dann der Fall, man sich selbst oder anderen Schaden zufügt, indem man z.B. sich oder seine Familie überschuldet oder Rechnungen des alltäglichen Lebens wie Miete, Strom oder Heizungkosten nicht mehr bezahlen kann.
Andererseits müssen gelegentliche spontane Impulskäufe selbst dann, wenn sie zu finanziellen Belastungen führen, nicht zwingend für eine Kaufsucht sprechen. Weil die Übergänge fließend sind, ist Kaufsucht nicht einfach zu erkennen. Daher sollten sich Betroffene frühzeitig Unterstützung suchen.
Woran erkenne ich, ob ich kaufsüchtig bin?
Unser Selbsttest hilft Ihnen dabei, herauszufinden, ob Sie suchtgefährdet oder möglicherweise bereits kaufsüchtig sind.
Arten der Kaufsucht
Kaufsucht ist nicht auf ein bestimmtes Produkt beschränkt.
Oft kaufen Frauen vor allem Kleidung und Schuhe, während Männer ihr Geld bevorzugt für technische Geräte ausgeben.
Aber es können auch ganz andere Waren und Dienstleistungen sein, die Betroffene bei ihren Kaufexzessen erwerben.
Bezahlt wird entweder bar, mit Karte oder vermehrt auch elektronisch (PayPal etc.). Häufig nutzen Betroffene auch den Kauf auf Raten für Dinge, die sie sich eigentlich nicht oder nicht sofort leisten können.
Unkontrolliertes Kaufen kann sowohl im Ladengeschäft als auch im Internet auftreten. Deshalb können neben dem exzessivem Onlineshopping auch andere Suchtformen als Formen der Kaufsucht angesehen werden, insbesondere:
- bei Computerspielsucht – wenn übermäßig Geld für Spiele, In-App Käufe, Zubehör oder virtuelle Gegenstände (Waffen und Rüstung) ausgegeben wird
- bei Pornosucht - wenn diese vorwiegend über kostenpflichtige Abos, Inhalte und Angebote befriedigt wird
Was sind die Ursachen von Kaufsucht?
Die Ursachen von Kaufsucht können individuell unterschiedlich sein. Es gibt verschiedene bekannte Faktoren die das Risiko, eine Kaufsucht zu entwickeln, begünstigen können:
materialistische Wertehaltung:
Der Konsum als eine Form der Belohnung. "Diese neuen Sneaker habe ich mir jetzt verdient!"
geringes Selbstwertgefühl:
Der Versuch, sich durch das Kaufen von Waren aufzuwerten
Impulsivität:
Das Fehlen von Selbstkontrolle, bzw. die Neigung zu spontanem, „unvernünftigem“ Handeln
andere Störungen z. B. Depressionen
Wo bekomme ich Hilfe bei Kaufsucht?
Im Vordergrund steht wie bei jeder Sucht die Hilfe von außen. Sie kann innerhalb einer Selbsthilfegruppe, aber auch in Form einer professionellen Therapie (individuell oder Gruppentherapie) erfolgen.
Eine Therapie fokussiert zum einen das unangemessene Kaufverhalten selbst. Weil dieses aber oft auch Symptom oder Folge eines anderen zugrundeliegenden Problems ist – z. B. dass man nicht gelernt hat, mit negativen Gefühlen und unpassenden Gedanken umzugehen – ist auch dieses oft Inhalt der Therapie.
Therapieformen:
Mit kognitiver Verhaltenstherapie kann man bei Kaufsucht gute Erfolge erzielen. Aber auch systemische bzw. paar- oder familientherapeutische Ansätze können helfen, Belastungen zu reduzieren, die durch die Kaufsucht innerhalb der Familie entstehen.
In einigen Fällen kommt auch eine unterstützende medikamentöse Therapie infrage, z. B. wenn jemand zusätzlich an einer starken Depression leidet.
Darüber hinaus kann eine Schuldnerberatung sinnvoll sein, wenn sich der Betroffene infolge seines unkontrollierten Kaufverhaltens überschuldet hat.
Haben Sie persönliche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Ihrem Kaufverhalten? Oder sind Sie Angehörige(r), Lebenspartner(in), Freund(in) eines suchtgefährdeten Menschen und wissen nicht, wie Sie sich verhalten sollen?
Wir bieten eine kostenlose & anonyme Beratung und Therapie bei Kaufsucht sowie pathologischem Konsumverhalten.
Gern vermitteln wir auch den Kontakt zu Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige.
